Cyber-Alarm: Neue Bedrohungswelle erfasst nicht nur Banken – Versorger und kritische Infrastruktur im Visier der Hacker

Eu-25.08.26 – Die aktuellen Entwicklungen im Darknet versetzen nicht nur die Finanzbranche in Alarmbereitschaft. Wie Sicherheitsexperte Ralf Schmitz warnt, sind auch Energieversorger, Wasserwerke und andere Einrichtungen der kritischen Infrastruktur zunehmend Ziel von hochentwickelten Cyberangriffen. Die Bedrohungswerkzeuge „BankGhost Builder“ und „Blue Gryphus RAT“ sind dabei nur die Spitze des Eisbergs.


„BankGhost Builder“ und „Blue Gryphus RAT“: Gefahr für Banken und Versorger

Der auf Telegram beworbene „BankGhost Builder“ ist ein Malware-as-a-Service-Tool, das selbst technisch weniger versierten Kriminellen ermöglicht, eigene Bank-Trojaner zu erstellen. „Dieses Tool senkt die Einstiegshürde drastisch. Es richtet sich gegen über 700 Banken weltweit, kann die Zwei-Faktor-Authentifizierung umgehen und sensible Daten stehlen“, erklärt Ralf Schmitz, gefragter Ethical-Hacker und Cybersicherheitsexperte.

Doch die Gefahr geht über den Finanzsektor hinaus: Die hinter dem Builder stehende Gruppe „Infrastructure Destruction Squad“ (IDS) ist auch für Angriffe auf industrielle Steuerungssysteme (ICS) und SCADA-Umgebungen bekannt – also genau jene Systeme, die in Kraftwerken, Wasseraufbereitungsanlagen und Pipelines zum Einsatz kommen.

Cyberangriffe nehmen zu ! Bild: KI-generiert / Symbolbild

Neue Bedrohungswelle erfasst nicht nur Banken – Versorger und kritische Infrastruktur im Visier der Hacker

Ähnlich alarmierend ist der neue Banking-Trojaner „Blue Gryphus RAT“. Dieser Fernzugriff-Trojaner ermöglicht es Angreifern, infizierte Rechner komplett zu kontrollieren. Besonders perfide: Er überlagert echte Banking-Sessions mit gefälschten Overlays, um heimlich Login-Daten und Transaktionen abzugreifen. „Diese Methode ist hochgefährlich, da sie selbst aufmerksame Nutzer täuschen kann“, warnt Schmitz.


Versorger massiv im Visier – Aktuelle Angriffe belegen die Bedrohung

Dass die Bedrohung real ist, zeigen aktuelle Vorfälle aus dem In- und Ausland:

  • Britischer Energieversorger lahmgelegt: Ein britisches Energieunternehmen musste nach einem mutmaßlich von iranischen Hackern durchgeführten Cyberangriff im Juli 2026 für vier Tage den Betrieb einstellen. Dies zeigt, dass selbst kleinere Anlagen als willkommene Ziele gelten und erhebliche operative Ausfallzeiten verursachen können.
  • Ransomware-Angriff auf Wasserwerk: Der US-Versorger Weber Water Resources wurde kürzlich von der Ransomware-Gruppe MetaEncryptor auf ihrer Leak-Seite im Darknet gelistet – ein deutliches Zeichen dafür, dass Angreifer Daten gestohlen haben und mit deren Veröffentlichung drohen.
  • Deutsche Stadtwerke betroffen: Die Gemeinschaftsstadtwerke Kamen (GSW) in Nordrhein-Westfalen wurden Opfer eines schweren Cyberangriffs. Dabei wurden Kundendaten gestohlen und kurzzeitig im Darknet veröffentlicht. Kommunale Versorger in Deutschland sind also ebenfalls nicht sicher.
  • Warnung aus den USA: Die Behörden des US-Bundesstaats New Jersey warnen in einem aktuellen Bericht vor einer erhöhten Bedrohungslage für die Wasser- und Abwassersysteme. Es gibt Berichte über Hackerangriffe (unter anderem von der Gruppe Handala) und Ransomware-Vorfälle, die zu Betriebsunterbrechungen führen können.

Trends und Bedrohungsakteure: Eine wachsende Gefahr

Die Bedrohungen für Versorger sind vielschichtig und reichen von finanziell motivierter Erpressung bis hin zu staatlich gesteuerten Aktionen:

  • Ransomware-as-a-Service (RaaS): Gruppen wie Medusa haben laut FBI, CISA und HHS bereits über 500 Organisationen der kritischen Infrastruktur angegriffen. Sie nutzen oft gestohlene Zugangsdaten von Infostealern, um in die Netzwerke einzudringen.
  • Staatliche Akteure: Die EU hat jüngst Strafmaßnahmen gegen eine mit dem russischen Militärgeheimdienst GRU verbundene Einheit (29155) verhängt, die hinter schweren Cyberangriffen auf kritische Infrastrukturen, insbesondere im Verkehrssektor, steckt.
  • Malware-as-a-Service als Treiber: Die von Banken bekannten Tools wie „BankGhost Builder“ werden von Gruppen vermarktet, die auch Angriffe auf industrielle Steuerungssysteme ermöglichen – eine besorgniserregende Entwicklung. Die aktuellen Entwicklungen im Darknet versetzen nicht nur die Finanzbranche in Alarmbereitschaft.

Handlungsbedarf für Banken, Versorger und Kunden

„Die Kombination aus leicht bedienbaren Malware-Buildern und hochgradig täuschenden Trojanern stellt eine beispiellose Bedrohung für die gesamte kritische Infrastruktur dar“, so Ralf Schmitz. „Klassische Sicherheitssoftware wird diese neuen, polymorphen Bedrohungen oft nicht mehr rechtzeitig erkennen.“

Er appelliert daher an alle Betreiber kritischer Infrastrukturen:

  • Investition in verhaltensbasierte Analysen, um verdächtige Prozesse auf Endgeräten zu identifizieren
  • Erhöhte Wachsamkeit bei E-Mail-Anhängen und ungewöhnlichen Netzwerkaktivitäten
  • Regelmäßige Sicherheitsupdates und strikte Zugriffskontrollen für industrielle Steuerungssysteme
  • Schulungen der Mitarbeiter im Umgang mit Phishing-Versuchen

Für Privatkunden gelte weiterhin: Höchste Vorsicht bei E-Mails von unbekannten Absendern, aktivierte Zwei-Faktor-Authentifizierung nutzen – auch wenn diese nicht mehr als alleiniger Schutz ausreicht – und regelmäßige Überprüfung der Kontoaktivitäten.


Über Ralf Schmitz:
Ralf Schmitz ist ein gefragter Ethical-Hacker und Cybersicherheitsexperte. Er wird regelmäßig von Banken, Versorgern und Unternehmen gebucht, um über die neuesten Bedrohungen im digitalen Raum aufzuklären und wirksame Schutzmaßnahmen aufzuzeigen. Mit seinen eindrucksvollen Live-Demonstrationen macht er die Gefahren der Cyberkriminalität für ein breites Publikum begreifbar.