Eine harmlose Bitte um eine Stimme für ein Mädchen namens „Klara“ kann zur gefährlichen Falle werden. Kriminelle versuchen derzeit, über gefälschte Abstimmungen WhatsApp-Konten zu übernehmen. Anschließend können sie die Kontakte ihrer Opfer anschreiben, sich als diese ausgeben und sogar versuchen, an Geld oder weitere sensible Daten zu gelangen.
Die Nachricht kommt häufig nicht von einer unbekannten Nummer, sondern von einem echten Kontakt aus dem eigenen WhatsApp-Adressbuch. Genau das macht die Betrugsmasche besonders gefährlich: Freunde, Familienmitglieder oder Bekannte genießen Vertrauen und der Empfänger hat zunächst keinen Grund, an der Echtheit der Nachricht zu zweifeln.
In Nordrhein-Westfalen sind entsprechende Fälle bekannt geworden. Wie der WDR berichtet, gingen beispielsweise bei der Kreispolizei Borken in den vergangenen Wochen mehrere Anzeigen ein.
Angeblicher Wettbewerb für „Klara“
Die Nachricht ist meist freundlich und unverfänglich formuliert. Es wird beispielsweise darum gebeten, bei einem Fotowettbewerb für ein Mädchen namens „Klara“ abzustimmen. Angeblich könne sie dadurch ein Stipendium für ihre Ausbildung erhalten.

Der Empfänger soll lediglich auf einen Link klicken und seine Stimme abgeben.
Doch genau hier beginnt die Falle.
Der Link führt nicht zu einer echten Abstimmung, sondern zu einer gefälschten Internetseite, die auf den ersten Blick seriös wirken kann. Dort werden Nutzer teilweise aufgefordert, ihre Telefonnummer einzugeben und anschließend eine WhatsApp-Anmeldung beziehungsweise einen Bestätigungscode durchzuführen.
Wer diesen Code eingibt oder eine entsprechende Anmeldung bestätigt, kann den Tätern damit den Weg zum eigenen WhatsApp-Konto öffnen.
Der Bestätigungscode ist der entscheidende Moment
WhatsApp-Codes dienen unter anderem dazu, die Identität des Nutzers zu bestätigen. Ein solcher Code sollte niemals an andere Personen weitergegeben oder auf einer fremden Internetseite eingegeben werden.
Die Täter nutzen die Zugangsdaten beziehungsweise die Bestätigung dazu, das Konto auf einem eigenen Gerät zu verknüpfen. Ist die Übernahme erfolgreich, können sie unter Umständen auf Nachrichten, Kontakte und weitere Informationen zugreifen.
Besonders perfide: Mit dem übernommenen Konto wird anschließend die gleiche Nachricht an weitere Personen verschickt.

So entsteht eine Kettenreaktion.
Ein einziges gekapertes Konto kann dadurch zur Ausgangsbasis für zahlreiche weitere Angriffe werden. Weil die neue Nachricht von einem bekannten Kontakt stammt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass auch das nächste Opfer auf den Link klickt.
Aus WhatsApp-Betrug kann ein finanzieller Angriff werden
Die Übernahme eines WhatsApp-Kontos ist nicht nur ärgerlich. Sie kann auch erhebliche finanzielle und persönliche Folgen haben.
Kriminelle können sich gegenüber Freunden, Verwandten oder Geschäftskontakten als das Opfer ausgeben. Unter einem Vorwand wird beispielsweise behauptet, man befinde sich in einer finanziellen Notlage, habe das Portemonnaie verloren oder könne eine Rechnung beziehungsweise Überweisung gerade nicht selbst durchführen.
Dann wird um Geld gebeten.
Diese Vorgehensweise erinnert an bekannte Betrugsmaschen wie den sogenannten Enkeltrick – nur dass die Täter diesmal über das tatsächlich übernommene WhatsApp-Konto kommunizieren.
Darüber hinaus können Cyberkriminelle versuchen, über weitere Nachrichten an persönliche Daten, Zugangsdaten oder Informationen zu Bankkonten und Zahlungsverkehr zu gelangen. Wer bereits auf einen verdächtigen Link geklickt oder sensible Informationen eingegeben hat, sollte deshalb besonders aufmerksam sein.
Sicherheitsexperte Ralf Schmitz warnt in diesem Zusammenhang vor einem zu sorglosen Umgang mit Links und Bestätigungscodes. Gerade weil die Nachricht scheinbar von einer bekannten Person kommt, werde das notwendige Misstrauen häufig ausgeschaltet. Ein vermeintlich harmloser Klick könne der erste Schritt einer größeren Betrugsaktion sein.
„Einfach nicht draufklicken“
Auch die Polizei rät zu besonderer Vorsicht. Selbst erfahrene Nutzer seien nicht automatisch vor solchen Angriffen geschützt.
Der wichtigste Rat von Ethical-Hacker Ralf Schmitz ist deshalb einfach:
Nicht auf den Link klicken. Keinen WhatsApp-Bestätigungscode eingeben. Keine Anmeldung bestätigen, die man nicht selbst bewusst gestartet hat.
Eine echte Abstimmung benötigt keinen WhatsApp-Anmeldecode.
Wer eine solche Nachricht von einem Bekannten erhält, sollte deshalb zunächst über einen anderen Kommunikationsweg nachfragen. Am besten ruft man die Person kurz an oder schreibt ihr beispielsweise per SMS, ob sie die Nachricht tatsächlich verschickt hat.
Denn wenn das WhatsApp-Konto des Bekannten bereits übernommen wurde, kann auch die Antwort innerhalb von WhatsApp von den Tätern stammen.
Was Betroffene jetzt tun sollten
Wer die Nachricht lediglich erhalten, aber nicht auf den Link geklickt und keinen Code eingegeben hat, sollte sie löschen und den Absender auf einem anderen Weg über die mögliche Kontenübernahme informieren.
Wer bereits auf den Link geklickt hat, sollte keine weiteren Angaben machen und insbesondere keine Codes weitergeben.
Wurde ein WhatsApp-Code bereits eingegeben oder eine unbekannte Geräteverknüpfung bestätigt, sollte schnell gehandelt werden. Das eigene WhatsApp-Konto sollte abgesichert und überprüft werden. Außerdem sollten Freunde und Familienmitglieder gewarnt werden, damit sie nicht auf Nachrichten reagieren, die möglicherweise vom übernommenen Konto verschickt werden.
Sind zusätzlich Bankdaten, Zugangsdaten, Kreditkartendaten oder andere sensible Informationen eingegeben worden, sollte unverzüglich die jeweilige Bank beziehungsweise der betreffende Anbieter kontaktiert werden. Bei einem möglichen finanziellen Schaden empfiehlt sich außerdem eine Anzeige bei der Polizei.
Eine einfache Regel schützt vor vielen Angriffen
Die wichtigste Regel lautet:
Kein Gewinnspiel, kein Fotowettbewerb und keine Abstimmung benötigt einen WhatsApp-Anmeldecode.
Eine Nachricht von einem bekannten Kontakt ist deshalb nicht automatisch sicher. Gerade bei ungewöhnlichen Bitten sollte man kurz innehalten und prüfen, ob die Nachricht tatsächlich von der betreffenden Person stammt.
Ein Klick dauert nur eine Sekunde – die Folgen einer Kontoübernahme können dagegen erheblich sein.
Deshalb gilt: Links bei unerwarteten WhatsApp-Nachrichten nicht öffnen, keine Bestätigungscodes weitergeben und bei Geldforderungen immer über einen unabhängigen Kommunikationsweg nachfragen.













