Tipps für Kinder und Eltern zum Schutz vor Missbrauch und Gewaltverbrechen

1. Hintergrundinformationen:
Jedes 2.Opfer von Sexualverbrechen ist ein Kind! Tendenz: steigend! Deshalb ist es an der Zeit, jetzt etwas für den Schutz von Kindern zu tun – nicht erst dann, wenn es zu spät ist.

Die Initiative Sicher-Stark! hat es sich zum Ziel gesetzt, durch präventiv einsetzende Selbstschutztrainings Kinder und Jugendliche sicher und stark zu machen, damit sie Gewaltverbrechen und Missbrauch nicht mehr hilflos ausgeliefert sind, sondern sicher aufwachsen. Diese Trainings werden seit mehr als 10 Jahren schwerpunktmässig in (Grund-)Schulen durchgeführt und beinhalten folgende Bausteine:

• Gefahrenerkennung und –vermeidung
• Selbstbehauptung (z.B. NEIN-Sagen, Stimm- und Schreitraining, Rollenspiele)
• Selbstverteidigung (aus 17 verschiedenen Kampfsportarten wurden die für Kinder effektivsten und am leichtesten erlernbaren Techniken ausgewählt)
• Realitätsnahe Rollenspiele (d.h. auf einem Gefahrenparcours begegnen Kinder verschiedenen „Täter-Dummies“, denen gegenüber sie sich verbal und auch mit erlernten Techniken zur Wehr setzen sollen)
• Videoschulung (die Verhaltensweisen der Kinder auf dem Gefahrenparcours werden per Video aufgezeichnet und anschließend mit den Kindern reflektiert)

Die Trainingsmethode von Sicher-Stark! ist bundesweit einmalig. Durch die mehr als 10-jährige Erfahrung der Experten können Kinder und Erwachsene von vielen hilfreichen Tipps profitieren, die vermittelt werden.

Ziel: Es ist wichtig, dass Kinder von den Erwachsenen geschützt werden und zugleich erfahren, was sie selbst tun können, wenn in einem Notfall mal kein Erwachsener in der Nähe ist, der ihnen helfen kann. Es wird sowohl die Thematik des „Fremdtäters“ angesprochen, als auch die des Täters aus dem Nahbereich in dem bekanntlich am meisten passiert. Dabei werden die Themenbereiche von Sexualverbrechen, als auch von Gewalt an Kindern und sexueller Missbrauch behandelt.

"Achtung! Starkes Kind!"

 

• 2. Tipps für Eltern

1. Helfen Sie Kindern in bedrohlichen Situationen! Nicht wegsehen oder weggehen – sondern einschreiten, wenn Kinder hilfebedürftig aussehen, auch wenn Sie sich nicht sicher sind, ob der Mann der Vater sein könnte! Lieber nachfragen, aber nicht einfach „wegsehen“!
2. für Eltern: „hinsehen – hinhören und ernst nehmen!“ – Kinder brauchen das „offene Ohr“ von ihren Eltern! Wer nicht hinhört, verpasst vielleicht wichtige Hilferufe!
3. vereinbaren Sie immer einen festen Schulweg – keine Umwege! Keine Einkäufe im Geschäft unterwegs! Kein Besuch beim Freund – nichts ohne telefonische Rücksprache mit den Eltern!
4. Besprechen Sie klar mit Ihrem Kind, mit wem es im Auto mitfahren darf und bei allen anderen Personen darf es nicht einsteigen!
5. Zeigen Sie Ihrem Kind, dass es den Schulweg immer gegen die Fahrtrichtung der Autos geht – es sieht dann, wenn ein Auto anhält und der Autofahrer kann das Kind nicht so leicht ins Auto zerren, denn er müsste rückwärts fahren, wenn das Kind einfach weiterläuft.
6. Schreiben Sie die Telefonnummer von zu Hause auf einen Zettel, den das Kind immer dabei hat – lernen Sie diese Telefonnummer mit Ihrem Kind auswendig!
7. Weitere Telefonnummern von Personen, die dem Kind helfen können, aufschreiben und auswendig lernen.
8. Zeigen Sie Ihrem Kind, wie es mit der Telefonkarte telefonieren kann, damit es weiß, wie es geht, wenn es Sie anrufen will.

Tipps für Kinder und Eltern zum Schutz vor Missbrauch und Gewaltverbrechen

3. Tipps für Kinder

9. Hilfe holen! Sprich jemanden an, der dir helfen kann: am besten eine Frau mit Kind, eine Oma oder einfach jemand in deiner Nähe, dem du sagst, dass du Hilfe brauchst. Du kannst auch gut ins nächste Geschäft gehen oder in eine Imbissbude und dort die Verkäuferin oder den Verkäufer um Hilfe bitten!
10. Sprich die Menschen direkt an, die dir helfen könnten, z.B. „hei, Sie in dem schwarzen Mantel, helfen Sie mir!“
11. Halte immer einen Abstand von 2 bis 3 Metern !
12. Nutze Sicherheitspuffer (z.B. die Autotür zwischen dir und dem anderen)
13. Ein aufrechter und sicherer Gang vermittelt: ich bin stark!
14. In die Augen schauen – nicht schüchtern wegsehen!
15. Geh nie allein einen einsamen Weg– am besten zu zweit, dritt oder mehr gehen!
16. Lauf lieber weg, wenn etwas unheimlich ist, hol dir Hilfe und erzähle es zu Hause
17. „Feuer“ statt Hilfe schreien – dann bekommst du Aufmerksamkeit und Hilfe, wenn das jemand hört (auf Hilfe reagieren viele Menschen nicht mehr!)
18. Bei einem Angriff schrei dem Täter ganz laut ins Ohr!
19. Die 3 Fragen zur Entscheidungsfindung für dich: A) habe ich ein Ja-Gefühl, oder ein Nein-Gefühl? B) weiß jemand, wo ich bin und wann ich wiederkomme? C) Bekomme ich sofort Hilfe, wenn ich sie brauche?
20. NEIN-sagen ist erlaubt!
21. Du kannst dich durch Beißen befreien, wenn dich jemand gegen deinen Willen festhält und dir weh tut oder du in Gefahr bist!
22. Kinder brauchen keine Geheimnisse für sich zu behalten, die ihnen Bauchschmerzen bereiten. Sag´s einfach weiter!!!
23. Kinder brauchen keine Berührung zuzulassen, die komisch oder eklig für sie ist und verwirrt, auch „Kein Küsschen auf Kommando!“ Sag NEIN!
24. Wenn Kinder in Gefahr sind, ist alles erlaubt – für dich gilt: „ich muss nicht lieb sein, wenn ich in Gefahr bin!“
25. „Sag es weiter!“
26. Die Telefonseelsorge: 0800/1110111; die kannst du kostenlos anrufen, die helfen dir!
27. Wenn du von einem Autofahrer angesprochen wirst, steig niemals ins Auto ein – auch nicht, wenn der Autofahrer sagt, deine Mutter hätte einen Unfall oder wenn er erzählt, er bräuchte deine Hilfe, um einen Weg zu finden
28. Wenn du glaubst, verfolgt zu werden, dann wechsle die Straßenseite – kommt der oder die andere immer noch hinter dir her, dann geh zu einem Erwachsenen, den du auf der Strasse siehst und dem du erzählst : „da läuft jemand hinter mir her, der mir Angst macht – bitte helfen Sie mir!“
29. Wenn dir etwas unheimlich oder gefährlich erscheint, wenn du auf deinem Schulweg von jemandem verfolgst oder auch angesprochen wirst, der dir Angst macht, dann klingele an einer Haustür, an der du vorbei kommst und bitte um Hilfe oder rufe von dort deine Eltern an, damit sie dich abholen können!
30. Wenn du Angst hast, hol dir Hilfe! Trau deinen Gefühlen!
31. Es klingelt an der Tür – mach niemals auf, wenn du allein bist (es sei denn, es ist jemand, von dem deine Eltern sagen, dass du ihn reinlassen darfst).
32. Es klingelt das Telefon – sag niemals, dass du allein zu Hause bist! Schreib dir die Telefonnummer des Anrufers auf und sag, deine Mutter ruft zurück! Oder lass den Anrufbeantworter laufen!
33. Sag´s immer weiter, wenn dich jemand auf dem Schulweg anspricht! Merk dir, wie die Person aussieht!
34. Wenn du auf dem Spielplatz angesprochen wirst, dann geh zu einer Frau mit einem Kind, die in der Nähe ist und bitte um Hilfe. Erzähle es zu Hause deinen Eltern!
35. „Waffen“, die für dich geeignet sind: deine eigene Stimme! Schreie, so laut du kannst „Feuer“, wenn du in Gefahr bist, trete, beiße, reiß dich los und lauf weg und hol dir Hilfe!

Zum Schluss sollten Eltern und Erwachsene erfahren, wo sie sich mit ihren Fragen hinwenden können! Polizeiliche Beratungsstellen sollten genannt werden, aber sie sollten auch von der Möglichkeit durch Selbstschutztrainings für Kinder des Sicher-Stark-Teams erfahren.

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