Prävention muss in der Grundschule beginnen

Ein Autofahrer hält neben einem Grundschulkind und fordert es auf einzusteigen. Wie reagiert das Kind? Weiß es, dass es unbedingt die Autotür zwischen sich und dem Fahrer als Sicherheitspuffer nutzen sollte? Tritt es automatisch zwei Schritte zurück und bringt sich aus der Gefahrenzone? Ruft es laut „Feuer“ statt „Hilfe“, wenn der Fahrer es ins Auto ziehen möchte, weil dann mehr Passanten reagieren? Das ist nur eine kleine Auswahl an Verhaltensregeln, die Kinder heute kennen sollten, wenn sie ohne Eltern unterwegs sind.

Fest steht: Je ahnungsloser Kinder, Eltern und Lehrer sind, desto leichter haben es Kriminelle und Sexualstraftäter. Viele Grundschulkinder sind nicht geschult darin, Gefahren rechtzeitig zu erkennen, richtig einzuschätzen und zu umgehen. Potenzielle Täter haben es dann leicht.

 

Die Schule in der Pflicht

Der unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, hat in seiner Agenda 2014–2019 unter anderem die Schulen als „Aktionsfeld Nr. 1 der Prävention“ bezeichnet (Quelle: http://beauftragter-missbrauch.de/course/view.php?id=31). Sie sind der Ort, an dem alle Kinder von Experten geschult werden sollten, wie sie mit gefährlichen Situationen, Beleidigungen und auch Mobbing richtig umgehen können. Dazu bieten  beispielsweise Trainings zur Selbstbehauptung und -verteidigung gute Anleitungen. „Realitätsbezogene und konfliktlösende Rollenspiele sollten zu jedem Kurs gehören“, erklärt die Präventionspädagogin  Angelika Stabenow von der Sicher-Stark-Initiative, die solche Kurse seit vielen Jahren erfolgreich an Grundschulen durchführt.

 

Kinder lernen, sich zu wehren

Die Pädagogen, Psychologen und Sicherheitsexperten der Non-Profit-Organisation „Sicher-Stark“ haben bereits mehr als 500 000 Grundschulkinder in Deutschland erfolgreich geschult und nutzen für die Trainings ein etabliertes Konzept, das auf fünf Eckpfeilern aufbaut:

 

  • Gefahrenerkennung und -vermeidung
  • Selbstbehauptung (z. B. Nein sagen, Stimm- und Schreitraining)
  • Einführung in die Selbstverteidigung
  • konfliktlösende Rollenspiele
  • realitätsbezogene Rollenspiele

 

„Besonders hilfreich ist die Auswertung mitgefilmter Testsituationen gemeinsam mit den Kindern“, erläutert die Pädagogin Angelika Stabenow.  Die erlernten Strategien sind nicht nur bei „brenzligen“ Situationen mit Fremden auf dem Schulweg anwendbar, sondern auch bei Übergriffen im Nahbereich, auf dem Schulhof oder an der Tür zu Hause. Auch über Themen wie Mobbing, Beschimpfungen, Erpressung oder Schlägereien gehen die PräventionstrainerInnen ein. Die Trainings sind kindgerecht und speziell für Grundschulkinder konzipiert und setzen auf leicht zu erlernende Selbstverteidigungsstrategien.

 

Kurse und Finanzierungsmodelle für Schulen

Je nach Bedarf bieten sich unterschiedliche Gewaltpräventionskurse und Vorträge für die Sensibilisierung von Eltern und Lehrern und das Training von Grundschulkindern an. Angefangen bei Tagesschnupperkursen und Vorträgen bis hin zu mehrtägigen Hauptkursen oder Webinaren bietet die Sicher-Stark-Initiative eine große Auswahl. Auch Präventionskurse für „Mehr Sicherheit im Internet“ bietet die Non-Profit-Organisation an, denn häufig knüpfen Sexualstraftäter im Internet den ersten Kontakt mit ihrem späteren Opfer. Interessierte Grundschulen können sich unter http://www.sicher-stark-team.de/foerderprogramm.cfm über Finanzierungsmodelle informieren und Förderanträge stellen.

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